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Vorstellungsgespräch: 5 Patzer, die du dir ruhig erlauben kannst

Vorstellungsgespräch: 5 Patzer, die du dir ruhig erlauben kannst

Juhu! Da ist sie – die E-Mail mit der Einladung zum Vorstellungsgespräch! Damit befindest du dich auf der Zielgeraden Richtung Traumjob! Doch bei vielen macht sich neben der Freude bald auch Nervosität und Unsicherheit breit. Wie verhalte ich mich richtig? Was muss ich im Gespräch alles beachten und wie bereite ich mich bestmöglich vor? Was ist, wenn ich einen Fehler mache und den Job nicht bekomme?

Bewerbungsgespräche sind eben nichts Alltägliches und machen so manchem Bewerber Angst. So findet man im Internet etliche Ratschläge, die man im Vorstellungsgespräch beachten und No Go´s, die man tunlichst vermeiden sollte – sonst war´s das mit dem Job. Viele dieser vermeintlichen Tipps wirken wie eine Art Drehbuch für ein Theaterstück. Dabei hat man dich eingeladen, um dich als Person und eventuell neuen Kollegen kennenzulernen. Schließlich hast du mit deinem Werdegang und deinen Qualifikationen schon überzeugt. Schauspielerei und sich zu verstellen, nützt hier beiden Seiten nichts – ganz besonders dir nicht. Warum das so ist und welche angeblichen Patzer du dir getrost erlauben kannst, zeigen wir dir hier.

1. Du pfeifst auf die Knigge-Regeln und bist einfach normal

Überall geistern sie herum: Karriere- und Bewerbungstipps als schnelle und einfache Erfolgsgaranten. So gibt es für das Bewerbungsgespräch zahlreiche Benimm-Regeln, die man ja unbedingt befolgen sollte. Wie du dich als Bewerber hinzusetzen hast, was du anziehen sollst oder wer wem bei der Begrüßung zuerst die Hand reichen muss. Solche Regeln setzen zum einen indirekt voraus, dass es Bewerbenden an gesunden Menschenverstand fehlt. Zum anderen lösen sie eher Verunsicherung aus, als dass sie hilfreich sind. Was macht es mit einem Bewerber, der vor einem Vorstellungsgespräch liest, worauf er bei seiner Körperhaltung alles achten sollte und wie er sich wann am besten auf den Stuhl setzt? Es nimmt ihm Selbstvertrauen und macht ihn schwach.

Mal ehrlich: Würdest du etwa auf die Idee kommen, mit deinem Party-Outfit zum Gespräch zu fahren oder dich wie ein nasser Sack auf den Stuhl setzen? Würdest du als Bewerberin dein auffälligstes Make-up auflegen oder mit tief ausgeschnittenem Top dort aufschlagen? Eher nicht. Du würdest deinen Gesprächspartner auch nicht mit Ghettofaust und „Jo Alter, alles frisch?“ begrüßen oder nach einem Flat White mit Hafermilch und zuckerfreiem Karamellsirup fragen, wenn dir ein Kaffee angeboten wird. Nein, wohl kaum.

Du verschwendest nur Zeit und Energie, wenn du im Gespräch ständig darauf achtest, wie dein Gegenüber in jeder Sekunde wohl deine Körpersprache analysieren könnte. Es geht im Vorstellungsgespräch doch darum, dass sich beide Seiten wirklich kennenlernen. Also begehe ruhig diesen „Patzer“ und sei so, wie du ganz normal auch bisher mit deinem Vorgesetzten umgegangen bist. Und wenn du keinen Kaffee magst, kannst du ihn ruhig dankend ablehnen und nach einem Wasser fragen.

2. Du hast deine Selbstpräsentation nicht auswendig gelernt

„Erzählen Sie doch etwas über sich.“ So oder so ähnlich sieht die Aufforderung der Personalverantwortlichen aus, die zu Beginn eines jeden Vorstellungsgesprächs kommt. Viele rattern daraufhin brav ihren Lebenslauf runter, erzählen minutenlang von ihrer Ausbildung, jeder beruflichen Station und welche Aufgaben sie dort erledigt haben. Es ist ja schließlich nicht so, dass der Personaler das nicht alles schon wüsste.

Hier geht es nicht darum, wie ein Roboter einen 10-minütigen Vortrag über seinen Werdegang zu halten und seinen Lebenslauf noch einmal herunter zu spulen. Wo kommst du her, was hast du gelernt, welche relevante Berufserfahrung bringst du mit und – vor allem – was ist deine Motivation – sowohl für deinen bisherigen beruflichen Weg, als auch für den Job, wegen dem du gerade dort sitzt? Niemand könnte das besser wissen, als du selbst. Mache dabei ruhig den „Fehler“ und lerne deine Selbstpräsentation nicht auswendig. Natürlich solltest du dich darauf vorbereiten, aber notiere dir vorher besser einzelne Stichpunkte zu deiner kurzen Vorstellung. So redest du automatisch freier und wirkst nicht, als würdest du in der Schule ein Gedicht aufsagen.

3. Du stellst einfach Fragen, ohne aufgefordert zu werden

In vielen Ratgeber-Artikeln zu Vorstellungsgesprächen liest man, dass Bewerbende brav mit ihren Fragen warten sollten, bis der/die Personaler:in am Ende des Gesprächs die „Rückfrage-Phase“ einläutet. Um als Bewerber Interesse zu zeigen, solltest du auch auf jeden Fall ein paar Fragen zur Stelle oder zum Unternehmen vorbereitet haben. Aber was, wenn sich deinerseits bereits im Gesprächsverlauf Fragen entwickeln, die dich wirklich interessieren? Oder wenn sich der Zeitpunkt einfach ergibt und du eine deiner vorbereiteten Fragen während des Gesprächs stellen kannst? Oder wenn du vielleicht etwas nicht genau verstanden hast? Solltest du dann bis zum Ende warten? Nein! Du darfst deine Fragen jederzeit stellen. Denn nur so zeigst du wirklich echtes Interesse und nur so kann das Vorstellungsgespräch auch ein Dialog auf Augenhöhe werden. Und außerdem: Du möchtest letzten Endes ja einen Job haben, bei dem du in etwa weißt, was auf dich zukommt und den Arbeitsvertrag mit einem guten Gefühl unterschreiben.

4. Du sagst ehrlich, warum du den Job wechseln wolltest

Dein Chef war total inkompetent, deine Kollegen Nervensägen oder du hast nach nur wenigen Monaten gemerkt, dass der letzte Job wegen fehlender Wertschätzung doch nichts für dich war? Jeder weiß, dass man im Bewerbungsgespräch nicht schlecht über seinen alten Arbeitgeber sprechen sollte. Viele haben deshalb Angst vor der Frage, warum sie den Arbeitgeber verlassen wollten oder mussten.

Solange du nicht über deinen ehemaligen Arbeitgeber herziehst, darfst du auch diesen „Patzer“ machen. In deiner alten Position hast du dich mehr und mehr gelangweilt, du hast keine Möglichkeiten gehabt, dich z. B. durch Fortbildungen weiterzuentwickeln, du hattest einfach Lust auf andere Themen oder dir wurde aus betriebsbedingten Gründen gekündigt? Es spricht nichts dagegen, das so zu sagen. Wenn du beispielsweise sagst, dass dir keine Entwicklungsperspektiven geboten wurden, machst du nicht nur deutlich, warum du einen neuen Job suchst, sondern auch, was dir bei deiner zukünftigen Stelle wichtig ist.

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5. Du versuchst nicht, dein wahres Ich zu vertuschen

„Als Bewerber muss ich professionell wirken, also darf ich ja nicht so viel über mich preisgeben!“ So denken viele Menschen in ihrer Rolle als Bewerber. Sie möchten den Job so unbedingt, dass sie Angst haben, ihr wahres Ich könnte die Chancen auf die Stelle minimieren. Schließlich gibt es ja schon immer bestimmte Erwartungshaltungen, die es als Bewerber zu erfüllen gilt. Man sollte auf jene Frage am besten das sagen und während des Gesprächs jenes tun – oder eben nicht. Also studieren sie ihr Theaterspiel ein, um nicht durchschaut zu werden.

Doch das ist nicht nur anstrengend, sondern noch dazu kontraproduktiv. Denn dir sitzen im Vorstellungsgespräch Menschen gegenüber, die ein echtes Interesse daran haben, dich als Person kennenzulernen. Wir können nicht allen gefallen und es ist fast schon naiv anzunehmen, den absolut perfekten Kandidaten spielen zu können. Es geht letztlich auch darum abzuwägen, ob du nicht nur fachlich, sondern auch menschlich ins Team, in die Abteilung und zum Unternehmen passt. Das sollte auch für dich von großem Interesse sein.

Also zeige ruhig deine Persönlichkeit, verstelle dich nicht und versuche im Vorstellungsgespräch du selbst zu sein. Angenommen du bekommst den Job – du wirst dein wahres Ich nicht ewig verstecken können. 

Und wenn du nach dem Bewerbungsgespräch zu dem Schluss kommst, die Stelle ist nichts für dich oder es einfach nicht geklappt haben sollte: Schau mal in unserer Jobbörse vorbei!



22.08.2022 Alle Blogs Nach Oben